Anleitung
Gehrung an der Kappsäge einstellen
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Kurz gesagt
Die Gehrung stellen Sie am Drehteller ein: Feststellgriff lösen, Teller auf die gewünschte Rastung drehen, wieder klemmen. Ob 45 Grad wirklich 45 Grad sind, prüfen Sie mit einem Probeschnitt und einem Winkel. Weicht die Ecke ab, justieren Sie zuerst den Anschlag auf 90 Grad zum Blatt und danach die Skala oder die Rastung nach Anleitung des Herstellers.
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Diese Anleitung richtet sich an alle, die mit einer Kapp- und Gehrungssäge Rahmen, Sockelleisten oder Zierleisten zuschneiden und deren Ecken nicht sauber schließen. Egal ob Einhell, Metabo, Bosch oder eine andere Marke: Das Prinzip ist bei fast allen Sägen gleich. Sie lernen den Unterschied zwischen Gehrung und Neigung, wie Sie die Rastungen prüfen, den Anschlag ausrichten und mit Probeschnitten kleine Fehler sichtbar machen. Herstellerspezifische Schrauben und Einstellpunkte finden Sie in der Bedienungsanleitung Ihrer Säge.
Gehrung, Neigung und Doppelgehrung unterscheiden
Bei einer Kappsäge gibt es zwei Winkel, die oft verwechselt werden. Die Gehrung stellen Sie am drehbaren Tisch ein, der Schnitt verläuft dann schräg über die Breite des Werkstücks. Die Neigung stellen Sie am Sägekopf ein, das Blatt kippt zur Seite und der Schnitt verläuft schräg durch die Dicke. Beide zusammen ergeben eine Doppelgehrung, wie sie etwa bei Kranzleisten nötig ist.
Wer eine Sockelleiste um eine Außenecke führt, braucht in der Regel nur die Gehrung. Wer Rahmen mit sichtbarer Gehrung baut, braucht ebenfalls nur die Gehrung, muss sie aber sehr genau treffen, weil sich ein Fehler an jeder der vier Ecken wiederholt. Eine Abweichung von einem halben Grad wird so an einem Rahmen zu einem sichtbaren Spalt.
- 1Kappschnitt 90°: gerade auf Länge
- 2Gehrungsschnitt 45°: Drehteller schräg, Blatt senkrecht
- 3Neigungsschnitt: Sägekopf geneigt, die Kante wird schräg (gestrichelt: Unterseite)
- 4Doppelgehrung: Gehrung und Neigung zugleich, etwa für Kranzleisten
Vorbereitung vor dem Einstellen
Ziehen Sie vor jeder Einstellung den Netzstecker oder entnehmen Sie den Akku. Prüfen Sie, ob das Sägeblatt fest sitzt, scharf ist und zum Material passt. Ein stumpfes oder verschmutztes Blatt drückt sich seitlich weg und täuscht einen falschen Winkel vor. Welches Blatt zu welchem Material passt, erklärt der Beitrag Welches Sägeblatt für die Kappsäge.
Legen Sie sich einen guten Anschlagwinkel oder ein Kombinationswinkelmaß bereit, dazu ein paar gerade gehobelte Probeleisten. MDF-Reste eignen sich ebenfalls gut, weil sie maßhaltig sind und sauber schneiden.
- Stecker ziehen oder Akku entnehmen
- Blatt auf festen Sitz und Schärfe prüfen
- Späne vom Drehteller und aus den Rastungen entfernen
- Anschlagwinkel und Probeleisten bereitlegen
Hinweis:Arbeiten Sie an der Säge nur mit Schutzbrille und Gehörschutz. Hände bleiben außerhalb der markierten Gefahrenzone, die Schutzhaube darf nicht festgeklemmt oder entfernt werden.
Gehrung am Drehteller einstellen
Die meisten Sägen haben Rastungen bei 0, 15, 22,5, 31,6 und 45 Grad, manche zusätzlich bei weiteren Winkeln. Der Ablauf ist fast immer gleich: Feststellgriff lösen, Rastungshebel drücken, Teller drehen, Rastung einrasten lassen und den Griff wieder festziehen. Zwischenwerte stellen Sie über die Skala ein, dann muss die Rastung meist ausgeschaltet werden.
Achten Sie darauf, dass der Teller nach dem Einrasten kein Spiel hat. Wackelt er spürbar, ist entweder die Klemmung zu locker oder die Rastfeder verschlissen. In beiden Fällen hilft nur das Nachstellen nach Herstellerangabe oder der Service.
- 1
Feststellgriff am Drehteller lösen
- 2
Rastungshebel drücken und Teller auf den gewünschten Winkel drehen
- 3
Rastung einrasten lassen und Griff festziehen
- 4
Probeschnitt an einer Restleiste machen
- 5
Schnittwinkel mit dem Winkel prüfen oder zwei Teile zur Ecke zusammenlegen
Probeschnitt: die Ecke verrät den Fehler
Schneiden Sie zwei Leisten auf 45 Grad und legen Sie die Teile zu einer Ecke zusammen. Halten Sie einen Anschlagwinkel an. Klafft der Spalt außen, ist der Winkel kleiner als 45 Grad. Klafft er innen, ist er größer. Weil sich der Fehler beider Schnitte addiert, zeigt diese Probe schon kleine Abweichungen deutlich.
Noch genauer wird es mit vier Teilen: Bauen Sie einen kleinen Rahmen. Ein Fehler von wenigen Zehntelgrad je Schnitt summiert sich dann über acht Schnittflächen und wird am letzten Stoß sichtbar. Das ist die gleiche Logik, die hinter dem Fünf-Schnitt-Verfahren für den 90-Grad-Schnitt steht, das im Beitrag Kappsäge schneidet nicht rechtwinklig erklärt wird.
| Spaltbild | Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Spalt außen an der Ecke | Gehrung kleiner als 45 Grad | Skala oder Rastung nachstellen |
| Spalt innen an der Ecke | Gehrung größer als 45 Grad | Skala oder Rastung nachstellen |
| Spalt oben oder unten | Neigung nicht bei 0 Grad | Neigungsanschlag justieren |
| Spalt wechselt von Schnitt zu Schnitt | Spiel am Teller oder Werkstück verrutscht | Klemmung prüfen, Werkstück spannen |
Anschlag und Rastungen nachjustieren
Die Reihenfolge ist wichtig. Zuerst muss der Anschlag bei Gehrung null genau rechtwinklig zum Blatt stehen. Erst wenn dieser Grundwinkel stimmt, lohnt sich das Justieren der 45-Grad-Rastung. Bei vielen Sägen ist der Anschlag mit Schrauben auf dem Tisch befestigt, die sich lösen lassen. Andere Modelle stellen die Rastplatte oder den Zeiger nach. Welche Schrauben das sind, steht in der Bedienungsanleitung.
Messen Sie nicht an den Zähnen, sondern am Blattkörper zwischen den Zähnen, weil die Zähne seitlich überstehen. Ein Anschlagwinkel legt sich am besten an, wenn das Blatt abgesenkt und gegen Drehen gesichert ist. Nach dem Justieren ziehen Sie alle Schrauben fest und wiederholen den Probeschnitt.
- 1
Gehrung auf 0 Grad stellen und Blatt absenken
- 2
Anschlagwinkel zwischen Anschlag und Blattkörper anlegen
- 3
Anschlag oder Rastplatte nach Herstellerangabe ausrichten
- 4
Zeiger der Skala auf 0 setzen
- 5
45-Grad-Rastung prüfen und gegebenenfalls nachstellen
- 6
Probeschnitt wiederholen
Neigung einstellen und prüfen
Für die Neigung lösen Sie die Klemmung hinten am Sägekopf und kippen den Kopf. Viele Sägen haben feste Anschläge bei 0 und 45 Grad, die sich über Stellschrauben justieren lassen. Prüfen Sie die 0-Grad-Stellung mit dem Winkel zwischen Tisch und Blattkörper. Schneiden Sie danach eine hochkant stehende Leiste und kontrollieren Sie die Schnittfläche.
Bei Zugsägen lohnt sich ein Blick auf die Führung: Hat der Kopf beim Ziehen seitliches Spiel, entsteht ein Schnitt, der vorne und hinten unterschiedlich ist. Das lässt sich nicht über den Winkel beheben, sondern nur über die Einstellung oder den Service.
Typische Winkel für Leisten und Rahmen
Für eine rechtwinklige Ecke aus zwei Teilen schneiden Sie jedes Teil auf 45 Grad. Bei Ecken mit anderem Winkel teilen Sie den Eckwinkel durch zwei, wenn beide Teile gleich sind. Ein Sechseck braucht 30 Grad je Schnitt, ein Achteck 22,5 Grad. Bei Wänden, die nicht genau rechtwinklig sind, messen Sie den tatsächlichen Winkel mit einer Schmiege und halbieren ihn.
Spannen Sie das Werkstück immer gegen den Anschlag, statt es nur mit der Hand zu halten. Kurze Leisten rutschen bei Gehrungsschnitten leicht weg, weil das Blatt seitlich Kraft einleitet. Eine Materialklemme oder eine Zwinge hält das Teil sicher.
| Form | Anzahl Ecken | Gehrung je Schnitt |
|---|---|---|
| Rechteckrahmen | 4 | 45 Grad |
| Sechseck | 6 | 30 Grad |
| Achteck | 8 | 22,5 Grad |
| Zwölfeck | 12 | 15 Grad |
Häufige Fragen
Warum schließt meine 45-Grad-Ecke trotz Rastung nicht? Häufig steht der Anschlag nicht genau rechtwinklig zum Blatt oder die Rastung hat Spiel. Prüfen Sie zuerst die 0-Grad-Stellung, dann die 45-Grad-Rastung mit einem Probeschnitt.
Muss ich die Säge nach jedem Transport neu einstellen? Nicht zwingend, aber ein kurzer Probeschnitt vor wichtigen Arbeiten lohnt sich. Stöße beim Transport können Anschlag und Rastungen verstellen.
Was ist der Unterschied zwischen Kappsäge und Gehrungssäge? Im Handel werden beide Begriffe oft gleich verwendet. Eine reine Kappsäge schneidet nur quer, eine Kapp- und Gehrungssäge hat zusätzlich den drehbaren Tisch für Gehrungsschnitte.
Kann ich die Skala einfach ignorieren und nur nach Probeschnitt arbeiten? Ja, viele Tischler stellen Winkel nach Probeschnitt ein. Die Skala ist eine Orientierung, die Ecke am Werkstück ist der eigentliche Maßstab.
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